Seit einem Jahr ist das Medizinischen Zentrum für Erwachsene mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung (kurz MZEB) mit einem neuen Leiter und einem breit aufgestellten Experten-Team aus unterschiedlichen Berufsgruppen jetzt wieder für die Patientinnen und Patienten da – und die erste Bilanz fällt positiv aus: Seit Beginn dieses Jahres hat das Team bereits über 100 Patientinnen und Patienten behandelt. Tendenz steigend. „Wir sind gut ausgelastet, haben aber noch Kapazitäten“, sagt der Leiter des MZEB, Dr. Ulf Hustedt. Er ist froh, dass er den Betroffenen nun wieder ein umfassendes medizinisches Versorgungsangebot machen kann.
Das MZEB eröffnete erstmals bereits im Jahr 2022. Nachdem die damalige Leiterin aber erkrankte und für lange Zeit ausfiel, musste es vorübergehend schließen.
„Arztbesuche sind bei unseren Patientinnen und Patienten ein lebensbegleitendes Thema, aber oft mit Ängsten, körperlichen und sprachlichen Barrieren verbunden“, so Hustedt. Menschen mit schweren Beeinträchtigungen bräuchten weit mehr Behandlungszeit und spezifische Angebote – psychisch und somatisch. Das können viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte oft schon rein zeitlich gar nicht leisten. Außerdem sind viele Praxen nicht barrierefrei und nicht entsprechend ausgestattet.
Das MZEB versteht sich aber ausdrücklich nicht als Alternative zur haus- und fachärztlichen Versorgung, sondern als Kooperationspartner. Voraussetzungen für eine Behandlung sind ein Schwerbehindertengrad von mindestens 70 Prozent und eine Überweisung aus einer niedergelassenen Praxis.
Die Gründe, aus denen Menschen das MZEB aufsuchen, sind vielfältig. Manche leiden unter schwersten neurologischen oder neuromuskulären Erkrankungen, andere an angeborenen oder erworbenen Hirnschädigungen, Fehlbildungen oder schweren Entwicklungsstörungen, nicht selten verbunden mit psychischen Erkrankungen.
„Wir beraten unsere Patientinnen und Patienten hier umfassend. Das heißt, dass wir alle oft komplexen Neben- und Folgewirkungen ihrer Behinderungen und Beeinträchtigungen im Zusammenhang sehen und behandeln“, sagt der MZEB-Leiter. Dazu gehören neben medizinischen Untersuchungen auch therapeutische Angebote, die Versorgung mit Hilfsmitteln, Haus-, Heim- und Arbeitsplatzbesuche, außerdem Gespräche mit Angehörigen und Betreuern. Zum Team des MZEB gehören daher viele Berufsgruppen wie in der Behindertenmedizin erfahrene Fachärzte, ein Psychiater, eine Psychologin, eine Logopädin, Physio- und Ergotherapeuten, eine Sozialpädagogin und eine Casemanagerin. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass viele der Patienten Dr. Ulf Hustedt bereits seit Jahren kennen. Er leitet neben dem MZEB nämlich auch das Sozialpädiatrische Institut (SPI) der Gesundheit Nord. Dort werden körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder von Geburt an bis zur Volljährigkeit begleitet. Durch die gemeinsame Leitung können die SPI-Patienten jetzt nahtlos im MZEB weiter behandelt werden.